Es gibt Dinge, die muss man unbedingt haben.
Bis man sie hat.
Bei mir gehören dazu beispielsweise Apples AirTags. Eine geniale Erfindung. Nur waren sie mir am ohnehin schon zu dicken Schlüsselbund irgendwann zu voluminös und landeten in der Schublade.

Als ich einen davon Monate später fürs Reisegepäck reaktivieren wollte, war die Batterie leer. Der Batteriewechsel entwickelte sich gefühlt zur Besteigung des Nanga Parbat ohne Sauerstoff.
Also zurück in die Schublade.
Noch schöner ist die Launch Control eines meiner ehemaligen Fahrzeuge.
Als passionierter Fahrer schneller Autos musste ich dieses Rennstart-Modul selbstverständlich haben. Benutzt habe ich es: kein einziges Mal.
Denn bevor der grosse Augenblick kommt, möchte das Auto erst einmal warmgefahren werden. Dann Race-Modus, Getriebe auf Sport, ESC entsprechend einstellen, Bremse treten, Vollgas, Drehzahl einregeln lassen – und irgendwann wäre man tatsächlich startbereit.
Vermutlich ungefähr dann, wenn die Ampel wieder auf Rot schaltet.
Und dabei ertappe ich mich zunehmend bei einer Frage:
Wie viele Funktionen kaufen wir eigentlich nicht deshalb, weil wir sie brauchen – sondern weil wir beruhigt sind, dass wir sie hätten, falls wir sie jemals bräuchten?
Kaffeemaschinen können inzwischen halbe Getränkekarten abarbeiten, Fernseher benötigen ein Studium der Fernbedienung und Smartphones beherrschen Dinge, von denen ihre Besitzer vermutlich nie erfahren werden.
Vielleicht ist das der eigentliche Luxus moderner Technik:
Wir besitzen ungeahnte Möglichkeiten – und benutzen drei davon.
Und vielleicht ist das gar nicht schlimm.
Hauptsache, man weiss, wo die Schublade ist, in der der Rest liegt. 😏
Ansgar Schäfer