{"id":583,"date":"2014-05-17T22:03:49","date_gmt":"2014-05-17T22:03:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/?p=583"},"modified":"2025-09-10T14:10:37","modified_gmt":"2025-09-10T14:10:37","slug":"alarmismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/alarmismus\/","title":{"rendered":"Alarmismus. Eine medial gepr\u00e4gte Scheinrealit\u00e4t."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fotolia_56304600_S.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-584\" src=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fotolia_56304600_S.jpg\" alt=\"Alarmismus -Fotolia\" width=\"388\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fotolia_56304600_S.jpg 693w, https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fotolia_56304600_S-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fotolia_56304600_S-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/a><span style=\"color: #ff0000;\"><em><strong>Alarmismus<\/strong><\/em>:<\/span> <strong><span style=\"color: #808080;\">Die\u00a0 \u00fcbertriebene Darstellung oder Warnung mit dramatischer Aufbereitung von vermeintlichen Risiken aber wenig belegtem Gefahrenpotential.\u00a0 Alarmismus\u00a0\u00fcbt leider einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss auf unser Denken, auf unser Handeln und auf die Stimmung unserer Gesellschaft aus!<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Alarmismus basiert nicht zuletzt auf den sich radikal ver\u00e4nderten Bedingungen in der medialen Welt. Die Konkurrenz ist erdr\u00fcckend. Wer am Kiosk steht, weiss was ich meine. Die Regale biegen sich unter den Zeitschriftenbergen und statt f\u00fcnf Fernsehprogrammen haben wir deren 150 oder je nach Abo deren 250. Schlechte Zeiten also f\u00fcr Redakteure, denen die Mittel und die Seiten gek\u00fcrzt werden. Wie sich der journalistische Alltag bei seinen Kollegen und Kolleginnen gestaltet beschreibt der in Berlin lebende Schweizer Journalist Frank A. Meier<sup>1<\/sup> wie folgt: \u00abIch sehe Sie gebannt am Laptop sitzen. Sie rufen ab, was andere schon geschrieben haben. Sie zeichnen Portraits aus biographischen Versatzst\u00fccken und Ger\u00fcchten, wie sie im Internet in Unzahl vorzufinden sind. So werden im journalistischen Alltag Vorurteile, Falschurteile, Unwahrheiten und Unterstellungen im System nicht nur konserviert, sondern auch regelm\u00e4ssig neu aufbereitet und dies in immer rascherer Abfolge. Mehr und mehr lebt unser Berufsstand von Copy-&amp;-Paste. Am Bildschirm l\u00e4sst es sich sehr bequem \u00fcber Menschen journalistisch zu Gericht sitzen. Man begegnet den Opfern nur selten\u00bb.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Der \u00abAngstlust\u00bb-Effekt<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Manchmal beschleicht mich das Gef\u00fchl, in einer Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung zu leben. Damit meine ich weniger meine Firma (<em>eine GmbH&#8230;<\/em>), als vielmehr die scheinbar wachsende Anzahl von Zeitgenossen, die nur eine beschr\u00e4nkte Haftung f\u00fcr ihr Geschw\u00e4tz \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Eine Weltuntergangsstimmung durch scharfe Analysen ins allgemeine Bewusstsein zu heben und sie gleichzeitig auch noch zu geniessen, geh\u00f6rt zu den Lieblingsbesch\u00e4ftigungen des Menschen von heute. Der Alltag mit seinen tristen Problemen ist langweilig. Aber die bevorstehenden Katastrophen sind hoch interessant! So beschreibt der Publizist Friedrich Sieburg bereits 1957 den \u00abAngstlust\u00bb-Effekt. Und er f\u00fchrt weiter aus: Niemand soll uns um unsere Krise bringen! Wir haben ein Recht auf Sie. Aber dass mir niemand zum j\u00fcngsten Gericht zu sp\u00e4t kommt!<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Issue Attention Cycle<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Alarmismus ist kulturgeschichtlich nichts Neues &#8211; hysterische Angstepidemien begleiten die Menschheitsgeschichte. Neu hingegen ist, dass sich mit der Ausbreitung elektronischer Massenmedien der Issue Attention Cycle immer st\u00e4rker zu beschleunigen scheint. Der Zyklus, der die Dauer und die Intensit\u00e4t bzw. das Auf und Ab von Themenkonjunkturen (<i>Downs 1972<\/i>) bestimmt. Also ein konkreter Verlauf der Aufmerksamkeit f\u00fcr Themen (Issues) respektive Schreckensnachrichten in der \u00d6ffentlichkeit. Man k\u00f6nnte auch sagen: Wenn die Themengewichtung in der \u00f6ffentlichen Meinung in einer Diskrepanz zu den Problemen steht. Recherche-Journalismus und mediale Hetzjagd fliessen ineinander \u00fcber. Die Dosis des Schreckens wird erh\u00f6ht. Die grossen Alarme unserer Zeit.<\/p>\n<p>Das bleibt nicht ohne Folgen. Man begegnet t\u00e4glich Menschen, deren Weltbild, deren Meinung \u00fcber unsere Gesellschaft und \u00fcber die Zukunft unserer Erde einem Horrorszenario gleichen. Den Leuten ist selbst mit Fakten nicht beizukommen. Und wachsende Gleichg\u00fcltigkeit ist ein unangenehmer Nebeneffekt.<\/p>\n<p>Konkret: Was passiert, wenn wir die Zeitung aufschlagen, das TV-Ger\u00e4t anstellen oder via App auf dem Handy die News \u00fcberfliegen? Ist das die Realit\u00e4t? Die Wirklichkeit? Niemand w\u00fcrde das behaupten. Erstaunlicherweise wird es gleichwohl unkritisch \u00fcbernommen. Wir begeben uns in einen von Menschen konstruierten Sinnkontext. Man pr\u00e4sentiert uns eine Realit\u00e4tsmatrix, die von Menschen produziert wird, die unter Wettbewerbs-, Sensations- und Quotendruck Schlagzeilen am Fliessband produzieren. Eine R\u00fcckkoppelung auf uns und unser Verhalten ist nur schwer zu vermeiden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Selffulfilling Profecy<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Trendforscher Mattias Horx bringt es auf den Punkt: Wenn wir an einen negativen Sachverhalt glauben, dann agieren wir auch so, dass dieser wieder und wieder best\u00e4tigt wird. Bekannt als Selffulfilling Prophecy. Katastrophenfilme profitieren nicht zuletzt deshalb durch ungeheuren Zulauf. D\u00fcnger f\u00fcr das Biotop des unkritischen B\u00fcrgers in seiner Welt der Verschw\u00f6rungen: Fr\u00fcher war alles besser, es wird \u00fcbel enden, die Politiker sind schuld, alle haben sich gegen ihn verschworen: Nachbarn, Ausl\u00e4nder, Kapitalisten, Banker, Kommunisten. Der unkritische B\u00fcrger glaubt nicht an Fortschritt. \u00abIch bin doch nicht bl\u00f6d\u00bb. Neugier ist ihm fremd. Er weiss ja schon alles! Er hat\u2019s im Fernsehen gesehen! Er hat die Welt durchschaut in ihrem hinterh\u00e4ltigen Plan, den \u00abkleinen Mann\u00bb zu erniedrigen, auszusaugen, fertigzumachen. Eine moralisierende Angstlobby &#8211; so wettert Matthias Horz &#8211; verhindere echten Wandel und halte die Gesellschaft nieder. Horx:<\/p>\n<p><strong>\u201eAlarmismus ist der N\u00e4hrboden des Populismus, der eigentlichen politischen Gefahr des 21. Jahrhunderts; Alarmismus macht manche politischen Zukunftsdebatten praktisch unm\u00f6glich.\u201c<\/strong> <sup>2<\/sup><\/p>\n<p>\u00abDie Menschen werden heute von apokalyptischen Vorstellungen geplagt\u00bb, stellt Matthias Horx fest. Die Schuld sieht er in der \u00abAngst- und Erregungskultur, dieser Daueremp\u00f6rung und populistischen Hysterisierungsspirale in den Medien\u00bb. Dabei herrsche heute mehr Frieden als je zuvor. Wir erleben den gr\u00f6ssten Wirtschaftsboom aller Zeiten. Selbst in Afrika sei die Lebenserwartung gestiegen.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Keine emotionale Bindung an das eigene Unternehmen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Alarmismus schl\u00e4gt sich auch im Arbeitsalltag nieder. Sind wir eine Gesellschaft der unzufriedenen Arbeitnehmer? Umfragen in unserem n\u00f6rdlichenNachbarland bringen es regelm\u00e4\u00dfig auf den Tisch: Derzeit setzten sich gerade noch 11 Prozent der Besch\u00e4ftigten voll und ganz f\u00fcr ihr Unternehmen ein. Die restlichen 89 Prozent haben nur eine geringe oder gar keine emotionale Bindung an das eigene Unternehmen. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der eigenen Arbeit und der des restlichen Teams sind den meisten Arbeitnehmern so ziemlich bis v\u00f6llig egal. Was das f\u00fcr katastrophale Folgen f\u00fcr die Volkswirtschaft bedeutet, kann man nur erahnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Die Welt wird nicht schlechter. Sie wird nur schlecht geredet.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Es ist eine schier unl\u00f6sbare Aufgabe Pessimisten, Auguren der Apokalypse, Lobbyisten des Alarmismus, Verschw\u00f6rungstheoretikern und den Miesmachern unserer Gesellschaft bei denen es immer f\u00fcnf vor zw\u00f6lf ist, mit entsprechender Nachsicht zu begegnen. Im privaten und gesch\u00e4ftlichen Umfeld trete ich \u2013 wenn immer m\u00f6glich \u2013 klar f\u00fcr Zukunftsoptimismus ein, scheue keine Auseinandersetzung und stehe zu dieser unserer Gesellschaft, der es so gut geht wie selten zuvor. Klar gibts jede Menge Raum f\u00fcr Verbesserungen. Keine Frage. &#8211;\u00a0 Mathias Horz hat jedoch v\u00f6llig recht, wenn er sagt: Die Welt wird nicht schlechter. Sie wird nur schlecht geredet.<\/p>\n<p>Ansgar Sch\u00e4fer<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-608\" src=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431.jpg\" alt=\"943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431\" width=\"560\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431.jpg 560w, https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.ansgar.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/943205_1_article660x420_943205_1_org_52b2afd097431-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Matthias Horx (59) Foto:\u00a0Hamburg dpa (schw\u00e4bische.de)<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>Frank A. Meier, \u00abVierte Gewalt Medien. Das Selbstverst\u00e4ndnis der Medien hat sich in Deutschland grundlegend gewandelt\u00bb, in <i>think-tank<\/i> (Berlinpolis) H. 2\/2006.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup>Trendforscher Horx rechnet ab mit Angstszenarien &#8211; schw\u00e4bische.de &#8211; Hamburg dpa &#8211; 14.05.2007<\/p>\n<p><em><sup>3<\/sup><\/em>Margrit Sprecher ist freie Journalistin; sie lebt in Z\u00fcrich: \u00abVerkaufte Zukunft\u00bb NZZ <strong>Folio<\/strong> 2017<\/p>\n<p>Quellenhinweise\/Literatur:<\/p>\n<p>\u2022 Matthias Horx: <em>Das Buch des Wandels, Anleitung zum Zukunftsoptimismus<\/em> sowie <em>Das Megatrend Prinzip\/Wie die Welt von morgen entsteht <\/em>\u2022 Mededith Haaf &#8211; <em>heult doch<\/em> &#8211; <em>\u00dcber eine Generation und ihre Luxusprobleme<\/em> &#8211; 2011 &#8211; Piper M\u00fcnchen Z\u00fcrich<br \/>\n\u2022\u00a0 Peter Gross &#8211; <em>Die Multioptionsgesellschaft<\/em> &#8211; 1994 &#8211; edition surhrkamp SV (vergriffen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmismus: Die\u00a0 \u00fcbertriebene Darstellung oder Warnung mit dramatischer Aufbereitung von vermeintlichen Risiken aber wenig belegtem Gefahrenpotential.\u00a0 Alarmismus\u00a0\u00fcbt leider einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss auf unser Denken, auf unser Handeln und auf die Stimmung unserer Gesellschaft aus! 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